![]() |
|
~ Vorfreude und Wartezeit ~Seite V und Ereignisse im LebenskreisDie abschließende Frage auf der letzten Seite lautete: Worauf wartet ein Kind im Jahresverlauf und auf welche Ereignisse wartet ein erwachsener Mensch in diesem Zeitraum. Als ein Beispiel für kindliche Erwartungen sei hier das Weihnachtsfest genannt, doch Ostern oder die stetig wiederkehrenden Geburtstagsfeierlichkeiten im Lebenskreis eines Menschen, könnten es ebenso sein. Um beim Weihnachtsfest zu bleiben, kaum ein Kind erwartet dies nicht mehr oder weniger sehnsüchtig. Ist es doch das Fest mit einem reich gedeckten Gabentisch, dass Fest, an dem es das eine oder andere lang ersehnte Geschenk gibt. In der Regel ein Geschenk, dass sich das Kind bereits im Jahresverlauf wünschte. Je mehr sich ein Kind wünscht, dieses Geschenk am Heiligen Abend zu erhalten, um so sehnsüchtiger wird das Weihnachtsfest erwartet, doch die Zeit bis Weihnachten will für das Kind einfach nicht vergehen. Diese Wartezeit dehnt sich im Zeitgefühl eines Kindes um so mehr, je mehr es dieses Ereignis erwartet. Die Zeit, bis es denn endlich soweit ist, wird vielen Kindern wie eine kleine Ewigkeit erscheinen. Doch nicht nur die reine Wartezeit auf ein freudiges Ereignis dehnt die zeitlichen Vorstellungsräume im Leben eines Kindes aus. Als weiteres kommt die kindliche Ungeduld hinzu. Voller Vorfreude etwas voller Ungeduld erwarten, lässt Stunden wie Tage, Tage wie Wochen und Wochen wie eine Ewigkeit erscheinen. Mit dem Erwachsenwerden übt sich der Mensch zusehends, Ruhe und Geduld in seiner täglichen Routine und in sonstigen Lebensbereichen und in zeitlichen Abläufen zu bewahren. So rast der eine oder andere Jugendliche noch voller Übermut mit seinem ersten Gefährt durch die Gegend, doch spätestens ab einem reiferen Alter kommt es bei den meisten Menschen nur noch darauf an, möglichst stressfrei tägliche oder wöchentliche Fahrstrecken zu bewältigen. Sicherlich Ausnahmen gibt es auch hier, doch ein Rentner wird wohl in der Regel im Alter geruhsamer fahren, als in seiner Jugend. Beispiele und Vergleiche hinken stets und Ausnahmen wird es immer geben. Verallgemeinernd lässt sich dennoch die Feststellung treffen, je weiter der Mensch in seinem Lebenskreis voranschreitet, je mehr lernt er sich in Geduld zu fassen und je mehr schrumpft das Zeitgefühl einige Zeiträume buchstäblich zusammen. Verstärkt wird dieses Zusammenschrumpfen noch dadurch, dass oftmals diese einstige kindliche Vorfreude auf ein bestimmtes Ereignis mit dem Erwachsenwerden von Jahr zu Jahr mehr verblasst. Irgendwann stellen viele Menschen fest: "Was denn, schon wieder Weihnachten? Wie schnell ist das Jahr nur vergangen." Der Lebenskreis I II III IV
« / » VI VII
VIII IX X
XI XII
|
|
Copyright © Verlag Horst Müller 2007 | Impressum |